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Raus ans Meer – der Fife Coastal Path

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Raus ans Meer – der Fife Coastal Path

Manchmal hat man einfach genug vom überfüllten Edinburgh, wenn es dort auch noch so viel zu sehen und ein tolles kulturelles Angebot gibt. Ganz besonders während der Festival-Zeit im August. Den besten Ausgleich bietet ein Tag draußen am Meer, mit hübschen Ortschaften, schaukelnden Booten im Hafen, Burgruinen, Palmen, endlosen Sandstränden und schroffen Felsformationen.

Der Fife Coastal Path ist ein Küsten-Weitwanderweg, der vom Firth of Forth bis zum Firth of Tay insgesamt 188 km lang ist. In diesem Artikel beschreibe ich einige Etappen, hauptsächlich in der „East Neuk of Fife“ genannten Region, zwischen Lower Largo und St. Andrews. Wer mehr Infos braucht, dem sei die Internetseite http://www.fifecoastalpath.co.uk empfohlen. Der Weg ist durchwegs gut beschildert und auch mit normalen Sportschuhen gangbar. Eine Regen- bzw. Windjacke ist empfehlenswert, die ganz Mutigen sollten aber auch die Badehose eingepackt haben.

Entlang der Strecke fahren mehrere Buslinien von Edinburgh aus bis St. Andrews. Die Busse X58 und X60 sind Expressbusse, sie halten in allen Ortschaften außer in Crail. Der Bus Nummer 95 hat unzählige Halte und braucht sehr lang. Ihn sollte man meiden, wenn man länger als nur von einer Ortschaft zur nächsten unterwegs ist. Das Tagesticket „Fife Dayrider“ ist in den Bussen erhältlich. Leider wurde die alte Eisenbahnlinie, die genau diese Strecke entlangfuhr, im Jahr 1966 aufgelassen. Eisenbahnfreunde finden entlang des Weges noch einige Relikte.

Lower Largo bis Elie

Ca. 11 km (eine Richtung, 2,5 Stunden Gehzeit)
Zu sehen gibt es: Sandstrand, Vögel, Küstenorte, Felsen, alte Bahntrasse

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Bus X58 und X60 halten in Lundin Links, von dort geht man zuerst Richtung Küste nach Lower Largo. Kommt man mit dem Auto oder Bus 95, kann man direkt nach Lower Largo fahren. In dem kleinen Fischerort wurde im Jahr 1676 Alexander Selkirk geboren, der als reales Vorbild für Daniel Defoes Robinson Crusoe diente. Das alte Viadukt der aufgelassenen Eisenbahn dominiert noch immer das Ortsbild. Man folgt nun zuerst der Hauptstraße oder gleich der alten Bahnlinie Richtung Osten, man kann aber auch am Sandstrand entlanggehen. Etwa einen Kilometer nach den letzten Häusern des Ortes überquert man einen Bach und sieht links die Carrick Villa. Dort geht man dann rechts den markierten Weg weiter (nicht mehr entlang der Bahnstrecke). Kurz vor Ende der langen Sandbucht muss man etwas ins Landesinnere, um eine Brücke über die Flussmündung zu erreichen. Man quert dann einen Campingplatz, an dessen Ende man über den Bach und danach gleich rechts entlang der Küste weitergeht. Der Weg führt nun über den kleinen felsigen Hügel Kincraig Point mit schönem Ausblick. Alternativ kann man bei niedrigem Wasserstand den sogenannten „Chain Walk“ (es gibt Ketten zum Festhalten) an den Klippen gehen. Entlang des Golfplatzes gelangt man dann nach Earlsferry und Elie. Einkehrmöglichkeiten gibt es im Elie Deli, im Station Buffet oder im The Ship Inn (mit kleinem Gastgarten direkt am Meer). Oder vielleicht auf ein Eis in Carol’s Shop?

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Elie nach Anstruther
Ca. 10 km  (eine Richtung, 2 Stunden Gehzeit, auch Teilstrecken möglich)
Zu sehen gibt es: Strände, Ruinen, eine Windmühle, Muschelfassaden, eine Höhle, geologische Besonderheiten
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Von Elie aus geht man entlang der Ruby Bay mit Blick auf den Leuchtturm einen der vielen kleinen Wege hinüber zum Lady’s Tower. Dieser wurde 1760 errichtet, damit Lady Anstruther sich dort vor dem Baden umziehen konnte. Man kommt dann vorbei an den Ruinen von Ardross Castle und Newark Castle und sieht schließlich die alte Kirche von St. Monans vor sich auftauchen. Nach der hübschen kleinen Ortschaft geht es hinauf zu einer Windmühle auf den Klippen. Sie diente einst dazu, Wasser in die großen Becken zu pumpen, in denen Salz gewonnen wurde. In der nächsten Bucht entdeckt man ein Gezeiten-Schwimmbecken, das teilweise von der Natur geformt wurde, bevor man Pittenweem erreicht. Das dortige „Arts Festival“ findet 2018 von 4. bis 12. August statt. Hier kann man auch die Höhle „St. Filian’s Cave“ besichtigen. Den Schlüssel dazu bekommt man gegen eine kleine Spende im Cocoa Tree Café in der High Street. Hier soll sich der frühchristliche Missionar St. Filian, dessen linker Arm ihm auf wundersame Art zum Lesen leuchtete, aufgehalten haben. Später wurde die Höhle von Schmugglern und dann als Gefängnis benutzt. Sie enthält einen Altar und einen verschlossenen Geheimgang, der in den Garten des ehemaligen Klosters führt (davon existiert nur mehr das Torhaus hinter der Kirche). Vor dem Bau des Hafens war die Höhle nur vom Meer aus zugängig.
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Nur ein Golfplatz liegt zwischen Pittenweem und dem größeren Ort Anstruther (von den Einheimischen „Einster“ genannt). Dort gibt es ein Fischereimuseum, die berühmte „Anstruther Fish Bar“ und Ausflugsboote, die einen auf die Isle of May bringen. Kurz bevor man den Dree Burn überquert, sieht man linker Hand das „Buckie House“ oder Muschelhaus. Der kuriose Hausbesitzer Alex Batchelor dekorierte im 19. Jahrhundert nicht nur seine Fassade mit Muscheln, sondern auch seinen Sarg, den man damals gegen Eintrittsgeld besichtigen konnte. Im Hafen steht „The Reaper“, ein über 100 Jahre altes Herings-Fischerboot, das beim Filmen der Outlander Serie verwendet wurde.
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Antruther bis Crail
6,5 km (eine Richtung, 1,5 Stunden Gehzeit)
zu sehen gibt es: alte Fischer-Häfen, imposante Gesteinsformationen, Natur
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Von Anstruther aus spaziert man durch die Gassen von Cellardyke und an dessen nettem Hafen vorbei. Von dort geht es wieder direkt am Meer entlang. Man passiert einen Campingplatz und einen Bauernhof mit Freilandschweinen, bevor man die Sandsteinformationen von Caiplie erreicht. Sie wurde vom einst viel höher hinaufreichenden Meer geformt. In den Höhlen findet man Spuren menschlicher Besiedelung über die Jahrhunderte (das Betreten ist gefährlich). Man hat auch einen wunderschönen Blick hinaus auf den Firth of Forth und die Isle of May. Eine verfallene Hütte steht an der Stelle, wo einst große Pfannen zur Salzgewinnung zu finden waren. Der Küstenpfad erreicht dann die Ortschaft Crail, wo er in die Osborne Terrace einmündet. Von dort hat man eine tolle Aussicht auf den Hafen aus dem 17. Jahrhundert. Um hinunter zum Hafen zu gelangen, muss man ein Stück der Straße folgen. Crail war einst ein bedeutender Marktort, der entgegen aller Proteste der Kirche seinen Markt am Sonntag abhielt. Ein kleiner Spaziergang entlang der Schlossmauern und dann hinauf zum Hauptplatz mit seinem Tolbooth lohnt sich, bevor man wieder in den Bus einsteigt (hier nur 95).
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Weiter bis St. Andrews
Der Weg von Crail nach St. Andrews ist 21 km weit, Gehzeit etwa 5 Stunden. Hier sollte man gute Schuhe tragen und die Ebbe abwarten, weil man sonst nicht am Strand entlang gehen kann. Auf halbem Weg liegt Kingsbarns, ein kleiner Weiler, wo sich auch eine Whisky-Destillerie befindet. Um diese zu besuchen, muss man vor dem Kingsbarns Golfplatz (der zweite Golfplatz auf der Strecke) landeinwärts gehen. Kurz vor St. Andrews befindet sich die Gesteinsformation „Rock and Spindle“. Diese kann man aber auch mit einem Strandspaziergang von St. Andrews aus erreichen (ca. 5 km).

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