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Schottisches Wetter

Schottisches Wetter

Beitragsserien: Schottland-Reise Blog

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Berüchtigt ist das schottische Wetter – doch ist es wirklich so schlimm? In Schottland gibt es im Prinzip zwei Wetterlagen: Wenn man den Wetterbericht hört, dann ist da immer von  „mainly cloudy“ oder „partly cloudy“ die Rede. Es ist also ganz einfach.

Was bedeutet  nun „mainly cloudy“? Der Himmel ist von Wolken verhangen. Es regnet nicht, noch nicht. Vorsichtshalber zieht man den Pullover und die Regenjacke an und nimmt den Schirm mit. Kaum verlässt man das Haus, schwitzt man schon. Die Luftfeuchtigkeit ist fast 100%, die Jacke gleich wieder ausgezogen. Genau im unpassendsten Moment, irgendwo unterwegs, beginnt es zu regnen. Man zieht die Jacke wieder an und versucht verzweifelt, den Regen mit dem Schirm abzuhalten. Aber der Regen scheint aus allen Richtungen gleichzeitig zu kommen. Man gibt schließlich auf, packt den Schirm wieder ein und zieht die Kapuze zu. Die neue Gore-Tex Jacke hält wunderbar dicht, dennoch ist man pitschnass, von innen, nicht von außen.

Langsam wird es unbequem und man flüchtet in ein Pub. Die Scheiben sind angelaufen und es riecht etwas modrig. Ein paar einheimische Mädels kommen herein, in kurzen Röcken und Ballerinas, ohne Jacke, sich eine Zeitung über den Kopf haltend. Sie ziehen die Ballerinas aus und gießen das Wasser heraus. Dann laufen sie aufgeregt zur Toilette, um ihr Make-up wieder herzustellen. Man bestellt eine Runde Getränke und als sie serviert werden, lacht die Sonne durch den Dampf am Fenster. Als man dann ausgetrunken hat und vor die Tür tritt, ist das blaue Loch in der Wolkendecke fast schon wieder verschwunden, und die Geschichte beginnt von Neuem.

Und, wie ist das mit „partly cloudy“? Einzelne Wolken ziehen eilig über den Himmel, ihre Schatten kriechen über den Asphalt.  Auf den Hängen der umliegenden Berge bieten Licht und Schatten ein unglaubliches Schauspiel. Plötzlich sprinkeln ein paar Regentropfen nieder, und man weiß eigentlich nicht, woher sie kommen. Schnell stellt man sich unter, und schon sind sie wieder vorbei. Die Luft ist klar als ob der Regen sie gerade gewaschen hätte, der Ausblick herrlich. Für ein paar Momente ist es sogar angenehm warm. Doch dann pfeift der Wind durch die Gassen und man zieht den Kragen hoch und das Halstuch über die Ohren. Könnte man sich heute in den Gastgarten setzen? Man sucht ein windgeschütztes Plätzchen und zieht die Jacke zu, dann wird es gehen. Der Wind beruhigt sich und die Sonne wärmt mit ihrer ganzenKraft. Schnell ist die Jacke ausgezogen. Aber man lässt sie lieber in Reichweite.

 

Es gibt in Schottland Tage, da könnte man es mit einer kurzen Hose durchaus aushalten. Aber es gibt keine Tage, an denen man es mit einer langen Hose nicht aushält. (Das hält natürlich die Schotten nicht davon ab, kurze Hosen und Röckchen zu tragen.) Es wird manchmal angenehm warm, manchmal unangenehm feucht, manchmal ungewohnt windig oder empfindlich kühl, aber nie drückend heiß.  Einen Sonnenbrand bekommt man leicht, weil man die Intensität der Sonne nicht bemerkt. Rot wird dabei allerdings eher nur das Gesicht.

Regnet es in Schottland tatsächlich mehr als in Salzburg? Nein, definitiv nicht. Die Regenmengen sind in Salzburg mehr als doppelt so groß (Wenn es hier einmal regnet…..). Und die Anzahl der Tage mit Regen ist ungefähr gleich. Während es in Salzburg im Sommer am meisten regnet, sind Juli und August in Schottland die trockensten Monate. Dabei ist meistens die Ostküste Schottlands, also zum Beispiel Edinburgh, eher begünstigt, während sich im Westen, vor allem in den Bergen, die Regenwolken halten können. Im Osten pfeift jedoch auch der Wind ungebremst vom Meer herein.

Doch Edinburgh hat noch eine ganz besondere Wetterlage: Den „haar“. Warme, feuchte Luft kommt aus dem Osten über das Meer, und das kühlere Wasser lässt die Feuchtigkeit kondensieren. Über dem Firth of Forth und der Stadt liegt dichter Nebel und man sieht kaum noch die eigene Fußspitze. Bei solchem Wetter gibt es drei Möglichkeiten: Erstens, man erklimmt den Arthur’s Seat (Vorsicht: Absturzgefahr wegen schlechter Sicht) und sieht sich das Ganze von oben an. Zweitens, man versucht, ein paar tolle Aufnahmen der Forthbridges im Nebel zu machen, oder schaurige Fotos von Edinburgh Castle. Oder drittens, man fährt so weit nach Westen, bis man aus dem Nebel auftaucht.

Baden im Meer? Es gibt in Schottland malerische Küsten und wunderschöne Strände, auch in und um Edinburgh. Die Schotten verbringen im Sommer gern jedes Wochenende am Strand, zumindest wenn es im Moment gerade nicht regnet. Die meisten Strände haben jedoch Unterstände für kurze Regengüsse. An den Stränden findet man Jahrmärkte und Geschäfte mit Fish and Chips, Icecream und Neoprenanzügen – Sommer-Feeling in Schottland. Im Wasser sind aber meist nur die Kinder oder die Füße (und solche Verrückten wie ich). Die Wassertemperatur von ungefähr 13 bis 16 Grad ist nicht jedermanns Sache, und man sollte seine Kleidung so hinlegen, dass der Wind sie nicht verweht. Das einzig Gute ist, dass es im Winter auch nicht viel kälter ist. Und so gehen die Schotten traditioneller Weise am Neujahrstag in South Queensferry baden – beim sogenannten „Loony Dook“ (dem Tauchgang der Durchgeknallten).

 

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