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Irn-Bru – Das Zweite Schottische Nationalgetränk

Irn-Bru – das zweite schottische Nationalgetränk

Beitragsserien: Schottland-Reise Blog

Foto oben: cooksinfo.com

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Großes Aufsehen erregen zurzeit die Pläne des schottischen Irn-Bru Herstellers A.G.Barr, wegen der „Zuckersteuer“ in Großbritannien den Zuckergehalt des kohlensäurehaltigen Süßgegtränks zu reduzieren. Bereits einige tausend Schotten haben eine Petition dagegen unterschrieben, die Rezeptur ihres Lieblingsgetränks abzuändern, die übrigens so geheim ist, dass sie nur drei Personen kennen. Und viele stürmen die Supermärkte, um ihre Vorräte noch vor der Rezeptänderung aufzufüllen. Aber ob ein paar Zucker-Ersatzstoffe aus Irn-Bru ein gesünderes Getränk machen, ist mehr als fraglich.

Ein schottisches Getränk?

Schottland ist eines der wenigen Länder, in denen die Beliebtheitsskala der Soft-Drinks nicht von Coca-Cola angeführt wird. Und dabei ist Irn-Bru gar keine schottische Erfindung. Das ursprünglich in den USA erzeugte Getränk Iron Brew wurde weltweit vielfach kopiert, doch durch die effektive Marken-Werbung der Firma Barr’s, die es ab ca. 1899 in Glasgow produzierte, gelangte es in Schottland zu einer Beliebtheit wie nirgendwo sonst. Werbeslogans wie „Scotland’s Other National Drink“ (mit Verweis auf Whisky) oder „Made in Scotland from Girders“ machten das Getränk zum Sinnbild des typisch Schottischen. An Eisenträger (girders) erinnert die knallig orangegelbe Farbe; der tatsächliche Gehalt an Eisenzitrat ist vernachlässigbar gering. Frühe Logos zeigen den Highland-Games Athleten Donald Dinnie, der später zu einer Strongman-Figur stilisiert wurde. Sogar Schauspieler Sean Connery wählte das Getränk für eine Ausstellung im Museum of Scotland als Sinnbild seiner Heimat aus. Irn-Bru hat auch ein eigenes registriertes Tartan-Muster. In der schottischen Komödie „Angels‘ Share“ wird der gestohlene Whisky in Irn-Bru Flaschen versteckt, was angesichts der ähnlichen Farbe perfekt passt.

Gesunder Durstlöscher?

Eine 330 ml Dose Irn-Bru enthält neben Spuren von Eisen auch 34 g Zucker und ca. 30 mg Koffein, sowie Chinin, einen Bitterstoff, den man auch in Tonic Water findet und der kurzfristig leistungssteigernd wirken kann, und künstliche Farbstoffe, die im Verdacht stehen, bei Kindern Hyperaktivität hervorzurufen. Kein Wunder also, dass das Getränk für die Schotten als beste Medizin gegen den Kater – verursacht von Schottlands erstem Nationalgetränk – gilt. Ob der übermäßige Konsum dieser Limo schon bei Kindern dafür verantwortlich ist, dass die Schotten die schlechtesten Zähne Europas haben? Die Hälfte der Schulanfänger leidet bereits unter Zahnverfall; erwachsenen Schotten fehlen im Schnitt sieben Zähne und der Rest des Gebisses ist mit elf Plomben verspachtelt. Die Umbenennung von Iron Brew in Irn-Bru erfolgte 1946, da das Wort „Eisen“ im Namen fälschlicher Weise mit einer gesundheitsfördernden Wirkung dieses nicht nennenswert mineralstoffhaltigen Getränkes in Verbindung gebracht werden könnte.

Werbung mit schottischem Humor

Der Erfolg von Irn-Bru ist nicht zuletzt auf die teils provokativen Werbekampagnen zurückzuführen. Am bekanntesten ist wohl die Parodie des beliebten Weihnachts-Comics „The Snowman“. Von den 1930er bis in die 1970er-Jahre hatte Barr‘s sogar einen eigenen Comic-Strip: „The Adventures of Ba Bru and Sandy“, der das Getränk bei Lesern mehrerer Lokalzeitungen bekannt machte. Viele neuere Irn-Bru Werbekampagnen sind aber sehr umstritten und verlangen dem Betrachter einen für uns Deutschsprachige kaum verständlichen (schottischen?) Humor ab: Ein Werbefilm zeigt eine Familie, die Klavier spielt und fröhlich singt. Das Lied endet mit den Worten der Mutter „Even though I used to be a man.“ Ein anderer Spot zeigt eine Hebamme beim Ausführen einer schwierigen Geburt. Beide Kampagnen führten zu heftigen Protesten von Transsexuellen und Müttern, die eine Totgeburt erlitten hatten. Ein Plakat zeigt eine Kuh und daneben die Aufschrift „When I’m a burger, I want to be washed down with Irn-Bru“. Ein anderes Plakat zeigt eine Blondine beim Zungenkuss, die hofft: „If I suck hard enough, maybe I can get my Irn-Bru back.“

Der „Snowman“-Werbespot

Der Irn-Bru Tartan:

tartan

Foto: tartanregister.gov.uk

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