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Ein Paar Körnchen Wahrheit über Robert Burns

Ein paar Körnchen Wahrheit über Robert Burns

Beitragsserien: Schottland-Reise Blog

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Der Geburtstag des schottischen Nationaldichters Robert Burns wird dieser Tage weltweit mit vielen „Burns Night“-Veranstaltungen gefeiert. Man isst Haggis, trinkt Whisky, tanzt und trägt seine Gedichte vor. Es herrscht eine regelrechte Burns-Mania, und der Poet scheint jedermanns Liebling zu sein. Tatsächlich war er ein sehr vielseitiger Mensch, in dem viel mehr steckte, als die meisten von uns wissen. So finden auch viele Menschen in ihm etwas zu bejubeln. Immerhin gibt es von Robert Burns, neben Queen Victoria und Christoph Columbus, weltweit die meisten Statuen – kirchliche Figuren ausgenommen.

Es gibt ein Zitat des Literaten und Kritikers Edwin Muir, dass Robert Burns für jeden etwas anderes war: Für die Angesehenen war er ein ehrenhafter Mann, für die Rabauken war er derb und unverblümt, für die Sentimentalen war er romantisch und feinsinnig, für die Sozialisten war er revolutionär, für die Nationalisten war er Patriot, für die Religiösen war er fromm. In jeder einzelnen dieser Aussagen steckt zumindest ein Körnchen Wahrheit, und so formt sich ein umfassendes Bild des beliebten Poeten.

Robert Burns wurde am 25. Januar 1759 in Alloway im Süden Schottlands in eine Bauernfamilie geboren. Sein Vater tat sein Bestes, um dem ältesten Sohn eine gute Bildung zu ermöglichen, obwohl er nebenher auch auf dem Bauernhof mit anpacken musste. Burns war sehr belesen und interessierte sich für Geschichte und Literatur. Schon früh begann er, Gedichte zu schreiben, in seiner eigenen Umgangssprache „Scots“, aber auch in Standard-Englisch. Als junger Mann trat er in seine örtliche Freimaurer-Loge ein. Abhandlungen, die dieses Faktum oft gar nicht erwähnen oder ignorieren, werden Burns nicht gerecht, denn den Einfluss der Freimaurer auf sein Leben und Werk kann man nicht leugnen.

Ein Freimaurer war es, der Burns erste Gedichtsammlung in Kilmarnock veröffentlichte. Und seine Kollegen aus dem Geheimbund kauften einige hundert Exemplare, verbreiteten sie und verhalfen ihm damit zu erster Bekanntheit. Burns verliebte sich in Jean Armour, Tochter seines Freimaurer-Meisters, doch deren Vater erlaubte die Heirat nicht. Jean gebar ihm Zwillinge. Doch Burns hatte in dieser Zeit diverse Affären, unter anderem mit Jeans Dienstmädchen, und so ist die Haltung des Vaters durchaus verständlich. Der Druck auf Burns wurde immer größer und finanzielle Probleme kamen hinzu, und um ein Haar hätte er damals ein Angebot angenommen, nach Jamaika auszuwandern.

Stattdessen landete Robert in Edinburgh. Seine Freimaurer-Freunde waren bei seiner Abschieds-Ode sentimental geworden, und als er sich gerade auf den Weg nach Greenock zum Schiff machen wollte, bot einer von ihnen ihm eine Neuauflage seiner Gedichte an. Burns ergriff diese Chance. In Edinburgh waren es wieder Freimaurer-Kollegen, die ihn herzlich aufnahmen, so auch sein späterer Verleger William Creech. In den Kreisen der Intellektuellen jedoch wurde er als Bauernsohn und Landei immer etwas belächelt. Man konnte sich Bildung abseits der Bildungsschichten nicht vorstellen und nannte ihn den „Ploughman Poet“, dem dieses Talent wohl durch eine Muse zugeflogen sein musste. Seine Gedichte schafften es trotzdem zu unglaublicher Popularität.

Neben seinen Gedichten schuf Burns aber auch noch zahlreiche andere Werke. Er schrieb mehr Songtexte als jeder moderne Singer/Songwriter. So sammelte er traditionelle schottische Lieder und schrieb sie auf, aber er schrieb sie auch um und erfand neue Texte für überlieferte Melodien. Auf diese Weise trug er sehr viel zum damaligen Wiederaufleben – besser gesagt zur Neuerschaffung – eines schottischen Highland-Mythos bei. Er stilisierte Haggis und Whisky zu schottisch-nationalem Kulturgut hoch. Auch sein wohl bekanntestes Lied „Auld Lang Syne“ geht auf ältere Versionen zurück, unter anderem von Allan Ramsay. Burns behielt jedoch nur die erste Zeile bei und adaptierte den Text: Freundschaft sollte ein ewiges Band zwischen Menschen sein, dem Zeit und Raum nichts anhaben konnten. Ein Freimaurer-Ideal?

Es gibt aber auch andere Werke von Burns, die man heute kaum kennt. Hierunter fallen einerseits seine vielen sexuell sehr expliziten, fast pornografischen Verse. Sie wurden zur damaligen Zeit nicht offiziell publiziert, sondern in kleinerer Zahl gedruckt und unter den Kollegen in den zahlreichen Männerclubs der Mittelschicht, denen Burns angehörte, verbreitet. Der Barde hatte eine Schwäche für das andere Geschlecht. Immerhin brachte er es auf mindestens 13 Kinder von fünf verschiedenen Frauen, sodass sich heute auch einige tausend Personen als direkte Abkömmlinge des Dichters bezeichnen. Daneben gibt es auch noch weitere Texte, die Robert Burns zugeschrieben werden und in einigen Sammlungen seiner Werke abgedruckt sind. Es handelt sich hier um radikale politische Texte, die unter Pseudonymen in einschlägigen Zeitschriften publiziert wurden. Deshalb ist es auch schwer nachzuvollziehen, in wie weit sie wirklich von Burns stammen, und viele Literaturwissenschaftler zweifeln dies an.

Allein aus seiner Lebensgeschichte heraus kann man aber verstehen, dass Burns der Dichter der einfachen Menschen war. Er schrieb Gedichte über Bettler „The Jolly Beggars“, Saufbolde „Tam O’Shanter“ und das einfache Leben „The Cotters Saturday Night“. Er verachtete die institutionelle Kirche, war aber gleichzeitig zutiefst religiös. Er lebte in der Zeit der französischen Revolution, und, selbst belächelt von der Oberschicht, war sein Traum, dass alle Menschen ebenbürtige „Brüder“ seien. In „A Man’s a Man for A’That“ (anonym im Glasgow Magazine veröffentlicht) schreibt er als letzten Vers: „That Man to Man, the world o’er, Shall brothers be for a‘ that”. Diese Ideen findet man auch bei den Freimaurern wieder, und sie treten in der republikanischen Bewegung und in den Idealen der französischen Revolution „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ hervor. Burns deklarierte sich allerdings nie öffentlich zu diesen Idealen, denn das hätte ihm zum Verhängnis werden können. Als er Jean Armour schließlich doch heiratet und als Steuereintreiber für den Staat arbeitet, wäre es fatal gewesen, wenn man ihm einen Verrat am Arbeitgeber nachsagen hätte können. Aus diesem Grund schloss er sich damals einer freiwilligen Truppe im Kampf gegen die Bedrohung durch eine Invasion aus Frankreich an.

Burns starb 1796 im Alter von nur 37 Jahren an Herzproblemen. Sein bewegtes, nicht immer enthaltsames Leben hatte ihm wohl zugesetzt. Sein Vermächtnis ist groß und seine Lyrik ist vielschichtig, oft liegt eine satirische Ebene hinter den oberflächlich romantischen Worten. Aus diesem Grunde würde ich es jedem empfehlen, mit ein wenig Hintergrundwissen über das Leben des Barden seine Werke noch einmal zu lesen, und dabei mit einem guten Whisky anzustoßen.

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