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Fußball und Politik: Glasgow Celtic und Rangers und ihre Rivalität

Beitragsserien: Schottland-Reise Blog

Fußball und Politik

Glasgow Celtic und Rangers und ihre Rivalität

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Fußball und Politik sind nicht zu trennen. Das finden wir in Wien, wo der Arbeiter-Verein Rapid und der bürgerliche Verein Austria um die Vorherrschaft kämpfen, ebenso wie in Mailand, wo AC und Inter sich gegenüberstehen. In Spanien fließt der Konflikt mit den Katalanen in das Fußballgeschehen des Landes ein: Ob man Real Madrid oder FC Barcelona unterstützt, hat oft mehr mit der politischen Einstellung zu tun als mit sportlichem Interesse. Nun spielen zwei Vereine aus Glasgow in der Europa-League: Celtic (demnächst gegen Red Bull Salzburg) und Rangers (demnächst gegen Rapid Wien). Und diese beiden Vereine haben die politische, soziale und religiöse Komponente des Fußballs wohl auf die Spitze getrieben.

Rangers wurde 1872 gegründet, Celtic 1888 von irischen Zuwanderern im Osten Glasgows. Anfangs existierten beide Clubs recht freundschaftlich nebeneinander. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sie dann aber nicht nur sportlich zu Rivalen. Während Celtic zur Heimstätte für vorwiegend katholische irische Immigranten wurde, war Rangers der Club des protestantischen, pro-britischen Establishments. Celtic-Anhänger waren traditionell Sozialisten und Labour-Wähler, während Rangers-Fans meist konservativ wählten. Dieser Konflikt schwappte von Nordirland über, und verstärkte sich, als die große Schiffs-Werft Harland and Wolff aus Belfast (schon immer anti-katholisch) im Glasgower Stadtteil Govan eine Dependance errichtete. Die Werft brachte Protestanten aus Ulster mit, die im benachbarten Rangers Fußballverein eine Heimat fanden. Die Zuspitzung des Konflikts in Irland mit dem Easter Rising von 1916 verschärfte schließlich noch mehr die Rivalität der Glasgower Vereine. Als Fan-Symbole sieht man bei einem Derby selten die schottische Flagge, sondern meist den Union Jack auf Seiten der Rangers, und die irische Trikolore auf Seiten von Celtic.

Nicht alle Celtic und Rangers Fans sind freilich politisch motiviert. Beide Clubs bemühen sich heutzutage sehr, dieses Sektierertum aufzubrechen. Rangers brach zum Beispiel 1989 erstmals mit dem ungeschriebenen Gesetz, keine Katholiken als Spieler zuzulassen, indem sie Mo Johnston, einen ehemaligen Celtic-Spieler, engagierten. Bei Celtic hatten immer wieder vereinzelt Protestanten gespielt. Doch die Rivalität ist immer noch sehr stark spürbar. Die großen Sponsoren, wie die Brauereien Tennent’s und Carling, unterstützten grundsätzlich immer beide Clubs, um keine Konsumenten zu verärgern. An Tagen eines Derbys in Glasgow kommt es immer wieder zu Krawallen und einem Polizeiaufgebot mit horrenden Kosten, nicht nur rundum das jeweilige Stadion, sondern in der U-Bahn und in Pubs. An solchen Tagen sollte man es meiden, in den Vereinsfarben eines der beiden Clubs (Blau für Rangers, Grün für Celtic) durch die Straßen zu gehen, denn das könnte als Provokation verstanden werden. Kinder in der Schule wollen ihre Bücher und Hefte nicht in Blau oder Grün einbinden, weil sie sich dann zu einer der beiden Seiten hin deklarieren würden und dies zu Problemen führen könnte. Wieder aufgeflackert ist der Konflikt der beiden Clubs auch, als Rangers sich durch eine Pleite im Jahr 2012 neuformieren musste, und Celtic-Fans dem neuen Club sämtliche Erfolge des alten Clubs absprechen, dies auch vor Gericht anklagen, und sie „Zombies“ nennen (von den Toten auferstanden).

Sport und Politik sind leider immer noch sehr stark verwoben. Auch in Österreich, wo es bis heute drei politisch motivierte Sport-Dachverbände gibt. Erst langsam geht ein Prozess voran, der die Politik aus den Vereinen zurückdrängt und das Sportliche in den Vordergrund stellt. Es bleibt uns nur zu hoffen, dass fairer, sportlicher Konkurrenzkampf an die Stelle von sozialen und politischen Spannungen tritt, und dass die Europa-League ohne Ausschreitungen vonstattengeht, auch für den Fall, dass im Finale Celtic und Rangers aufeinandertreffen würden.

Eine interessante Doku in Englisch aus 2012 findet man hier: The Football War

Glasgow Rangers Wikimedia Commons 2005 Glasgow Celtic Pixabay